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Weihnachtsgedanken 2021 – Unsichtbar und doch da

Es ist Heiligabend. Oder besser gesagt frühmorgens. Der Mond steht noch am Himmel. Halb sichtbar, halb unsichtbar, ganz da. Ich bin unterwegs nach Thun – letzter Schultag vor den Weihnachtsferien. Die Scheinwerfer der Autos erleuchten die Strasse. Sonst ist es dunkel. Unsichtbar die Umgebung, die Welt rundherum. Keine Blüemlisalp, keine Aare, keine Stockhornkette. Alles unsichtbar und doch da. Meine Gedanken schweifen ab zur E-Mail, die mich beschäftigt. Betreff: Covid-Fall in der Klasse XY. Ich brauchte nicht weiter zu lesen. Den Rest kenne ich bereits auswändig. Unsichtbar und doch da.

Ich bin in Gedanken versunken auf dem Arbeitsweg. Heiligabend – für mich untrennbar mit der Weihnachtsgeschichte verbunden, mit dem, was da vor 2000 Jahren geschehen ist, als noch niemand von Weihnachten gesprochen hat, als die Weihnacht an Weihnachten noch unsichtbar war. Unsichtbar? Unsichtbar und doch da.

Maria – unsichtbar schwanger. Nichts Neues und doch anders. Die Ankündigung des Engels, später die Bestätigung ihrer Verwandten Elisabeth bzw. deren Kind im Bauch. Das hüpfte als es die Stimme Marias hörte. Sichtbar? Unsichtbar und doch da.

Das Steuersubstrat des Kaisers Augustus – unsichtbar und doch da. Also musste eine Volkszählung her – quasi eine Durchtestung der Bevölkerung. Unsichtbar und doch da.

Maria und Josef machten sich auf nach Bethlehem. Dort angekommen waren sie nicht willkommen. Unsichtbar und doch da. Und so hauste die junge Familie nicht in einer Herberge, sondern legte ihr neugeborenes Kind in eine Futterkrippe. Unsichtbar und doch da.

Hirten hüteten auf dem Feld die Schafe. Unsichtbar und doch da. Ob wohl gerade deshalb für sie das sichtbar wurde, was für uns die allermeiste Zeit unsichtbar bleibt? Die Engel – unsichtbar und doch da – erschienen plötzlich sichtbar über ihnen. In Bethlehem sei der Heiland geboren, erfuhren die Hirten. Und was trafen sie dort an? Ein Frischgeborenes und seine Eltern. Der Heiland? Unsichtbar und doch da.

Der Stern führte die Weisen aus dem Morgenland zu König Herodes. Wo der neue König sei, fragten sie ihn. Ein neuer König?! Unsichtbar und doch da?! Der Kindermord von Bethlehem war die Folge.

Gold, Weihrauch, Myrrhe: Die Geschenke der Weisen weisen auf das Unsichtbare, das Göttliche im Neugeborenen. Unsichtbar und doch da.

Ich bin in Thun angekommen. Am Horizont trennt sich der Himmel vorsichtig von der Bergkette. Es wird langsam hell. Der Tag macht das Unsichtbare sichtbar und bestätigt deutlich: Es ist da!

Ich wünsche mir, dass wir auch mit dem Unsichtbaren rechnen, ob es uns passt oder nicht. Denn es ist da! Und deshalb nimmt in unserer Krippe dieses Jahr die Krone den Platz des Jesuskindleins ein. Das Unsichtbare ist da. Halleluja!

Gesegnete Weihnacht!

6 Kommentare

  1. Urs Amstutz Urs Amstutz

    Liebe Sinone
    Sehr gute Gedanken. Vielen Dank! Dir auch schöne Weihnachten.
    Liebe Grüsse
    Urs

  2. Christine Bütikofer Christine Bütikofer

    Liebe Simone danke für deine Gedanken. Sie sind für mich immer sehr anregend, hilfreich und oft ermutigend! Auch dir eine frohen Weihnachtabend. Christine

  3. Christine Bütikofer Christine Bütikofer

    Liebe Simone, danke für diese ermutigenden, anregenden Gedanken. Ich wünsche dir einen Weihnachtsabend in der Gegenwart dessen, dir hinein kam und hineinkommt in unsere Alltagsrealität
    Liebe Grüsse Christine Bütikofer

    • Silvia gehri Silvia gehri

      Liebe simone
      Allerliebste Grüsse aus gampelen. Du bist zwar momentan nicht sichtbar, jedoch in Gedanken bei und mit uns. Wir wünschen dir friedliche Weihnachten und danach, dich bald wieder sichtbar im hockey zu sehen. Zu Weihnachten dürfen wir wünschen und hoffen! Bis bald, Tschüss silvia und Djamil und familie

  4. Regula Regula

    Hoi Simone
    Daaanke für deine Weihnachtsgeschichte.
    Ach wie ist unsere Welt, ich dazu, zu beschäftigt, um das Wichtige überhaupt wahrzunehmen.
    Ich wünsche dir, mir, uns Augen, Ohren und Herzen fürs Wesentliche, für den Frieden Gottes.

  5. Helena Miethlich Helena Miethlich

    Leider kommt mein Kommentar später als gedacht, aber ich kämpfe immer wieder mit den Unsicherbarkeit der digitalen Wirklichkeit.
    Aber jetzt klappt es. Ich wollte sagen, dass deine Geschichte jedes Jahr ein Aufsteller ist für mich!
    Du bist immer wieder, auch wenn für mich UNSICHBAR, am Aushecken neuer Projekte für die Inklusion von Menschen mit Behinderung.
    WEITER SO! MERCI VIELMALS.

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