Zum Inhalt springen

behinderungsübergreifender Dialog

Als Präsidentin eröffnete ich die Behindertensession 2026 mit einer Begrüssungsrede. Ich betonte den behinderungsübergreifende Dialog und unser gemeinsames Ziel: rechtliche und tatsächliche Gleichstellung.
Sehr geehrter Herr Ständeratspräsident, sehr geehrte Parlamentarier:innen der Behindertensession, liebe Gäste vor Ort und online

Soyez les bienvenus à cette deuxième session des personnes handicapées ! Benvenuti a questa seconda sessione delle persone con disabilità!

Je tiens à remercier très chaleureusement le président du Conseil national, Pierre-André Page, qui est malheureusement empêché aujourd’hui, pour son invitation au Palais fédéral. Sans cette invitation, nous ne serions en effet pas ici aujourd’hui. Ein herzlicher Dank geht auch an Ständeratspräsident Stefan Engler, der die Begrüssungsrede gehalten hat. Herzlichen Dank, dass Sie mit uns diese zweite Behindertensession eröffnen. Ein weiterer Dank geht an Sie, liebe Parlamentarier:innen der Behindertensession. Sie haben mich als Ihre Präsidentin gewählt und mir damit Ihr Vertrauen ausgesprochen, Sie heute durch die Debatten zu führen.

Sie haben sich mit verschiedenen Themen befasst und insgesamt 16 Petitionen ausgearbeitet, die wir heute diskutieren werden. Es geht um Ausbildung, Arbeit, Mobilität, Hilfsmittel, politische Teilhabe, selbstbestimmtes Leben und vieles mehr. Themen, die hier in diesem Saal viel zu wenig diskutiert werden. Und wenn, dann ohne unsere angemessene Beteiligung, ohne unsere Lebensexpertise, über unsere Köpfe hinweg. Heute sind im Nationalratssaal 44 der 200 Sitze besetzt. Nur 44 oder 22%. Ja, wir wollen nicht alle Sitze für uns beanspruchen. Aber wir fordern eine angemessene Vertretung. Gemäss Bundesamt für Statistik leben 22% der Bevölkerung der Schweiz mit einer Behinderung. Hätten wir eine angemessene Vertretung im Nationalrat, so lebten 44 Nationalrät:innen mit einer Behinderung. Genauso viele wie wir heute in diesen Reihen Platz genommen haben. Wir fordern aber nicht nur im Nationalrat eine angemessene Vertretung, sondern in allen politischen Gremien. In Parlamenten und Regierungen auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene. Und ja, auch im Bundesrat.

La composition du Conseil fédéral fait actuellement l’objet de vifs débats dans les médias suite à l’annonce de la démission du conseiller fédéral Guy Parmelin. Son successeur ou sa successeuse doit-il ou doit-elle être originaire de Suisse romande ? Nous n’aborderons ni ne répondrons à cette question aujourd’hui. En revanche, le fait qu’aucune personne en situation de handicap n’ait jamais siégé au sein de notre gouvernement fédéral me donne à réfléchir. Cela me montre qu’en Suisse, les personnes en situation de handicap ne bénéficient toujours pas des mêmes chances et possibilités que les personnes sans handicap.

Fehlende Vertretung bedeutet, dass unsere Lebensrealitäten beim Erarbeiten von politischen Lösungen kaum mitbedacht werden. Das hat Auswirkungen nicht nur auf unser Leben, sondern auf das Leben der ganzen Gesellschaft. Und deshalb sind wir heute hier. Die Forderungen der 16 Petitionen, die wir heute diskutieren werden, betreffen unser Leben ganz konkret. Sie haben täglich Auswirkungen auf unseren Alltag. Es geht nicht um Privilegien, es geht um Menschenrechte.

Wir Menschen mit Behinderung haben unterschiedliche Lebensrealitäten. Unsere Behinderungen unterscheiden sich. Deshalb unterscheiden sich auch die alltäglichen Hürden und Hindernisse, die wir bewältigen müssen. Ich bin froh, dass die Parlamentarier:innen der Behindertensession mit ganz unterschiedlichen Behinderungen leben. Wir alle bringen unsere Lebensexpertisen und Diskriminierungserfahrungen mit. Eines jedoch verbindet uns: Wir wollen alle gleichgestellt teilhaben. Was für Menschen ohne Behinderung selbstverständlich ist, muss es auch für uns sein. Wir fordern nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Heute treten wir in einen behinderungsübergreifenden Dialog. Lasst uns offen aufeinander zugehen und voneinander lernen. Lasst uns Vorbilder sein im Umgang miteinander. Lasst uns wertschätzend und respektvoll diskutieren im Wissen, dass wir unterschiedliche Lebenshintergründe haben. Uns verbindet das gemeinsame Ziel, als Menschen mit Behinderung in der Schweiz endlich rechtlich und tatsächlich gleichgestellt zu sein.

Hiermit erkläre ich die zweite Behindertensession als eröffnet.

Bild und Video: (c) Pro Infirmis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert