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Von hartnäckigen Giraffen

Kommen Sie sich manchmal auch vor wie eine Giraffe? Die Infozeitschrift 1/2026 von Glaube und Behinderung trägt den Titel «Sei ein Geschenk!». Im Editorial wage ich den Vergleich mit geschenkten Giraffen. Hätten Sie Platz dafür?

Wie würden Sie reagieren, wenn Sie eine Giraffe geschenkt bekämen? Keine Angst, unsere Rechtsordnung hat vorgesorgt: Geschenke darf man ablehnen. Was gesellschaftlich als unanständig gilt, ist also völlig legal. Gut so, denn was würden wir mit einer Giraffe anfangen? Sie wäre ziemlich fehl am Platz bei uns zuhause: Kein Giraffengehege, kein Giraffenfutter und keine Ahnung, wie man mit Giraffen umgeht. – Giraffen gehören nicht in unsere Lebenswelt.

«Sei ein Geschenk»

So lautet der Titel dieser Zeitschrift. Schenken und beschenkt werden ist normalerweise etwas Schönes. Was aber, wenn wir uns verschenken möchten und als Giraffe wahrgenommen werden? Genau das erleben wir Menschen mit Behinderung immer wieder. Wir wollen teilnehmen, mitgestalten, beitragen. Doch oft scheint niemand auf uns zu warten. Unser Engagement wird nicht gesehen, unser Beitrag nicht geschätzt. Was sonst als unanständig gilt – ein Geschenk abzulehnen –, wird hier stillschweigend akzeptiert. Wir werden als Last wahrgenommen.

Gerade wenn dies in Kirchen passiert, ist es besonders schmerzlich. Es heisst hörbar oder spürbar: Unsere Kirche ist leider nicht barrierefrei. Wir würden ja gerne, aber wir haben die Möglichkeiten nicht. Wir haben einen anderen Fokus. Bei uns seid ihr fehl am Platz. Wir wissen nicht, wie mit euch umgehen. Menschen mit Behinderung gehören nicht in unsere Lebenswelt.

Damit die Kirchen uns nicht mehr ablehnen, sondern in uns das wertvolle Geschenk erkennen, bleiben wir hartnäckig und mischen uns ein – auch wenn wir uns als Giraffe fühlen: fremd, ungewohnt, scheinbar fehl am Platz.

Ist es nicht schon Jesus so ergangen? Er wollte sich uns verschenken und wir nahmen das Geschenk nicht an: «Er kam in seine Welt, aber die Menschen wiesen ihn ab.» Joh. 1,11 HFA. Auch er passte nicht in die Erwartungen, wurde übersehen, abgewiesen, nicht verstanden. Und dennoch sind wir heute dankbar, dass er hartnäckig geblieben ist, uns nicht aufgegeben hat und sein Geschenk für uns immer noch bereit liegt.

Geben also auch wir diejenigen Menschen nicht auf, die in uns die Giraffe sehen! «Sei ein Geschenk!»

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